#faq, Folge 5

Wo kauft die Bibliothek ihre Bücher (und wo nicht)?

Hier gilt für die Münchner Stadtbibliothek die Devise „Think global – buy local“!

Die überwiegende Zahl aller Neuerwerbungen kaufen wir also bei Münchner Lieferanten. Dies auch deswegen, weil Münchner Buchhandlungen über die Gewerbesteuer ja ihren Beitrag zum Haushalt der Stadt München und damit indirekt zum Etat der Stadtbibliothek leisten.

Die Auswahl der Lieferanten selbst erfolgt ausschließlich nach Qualitätskriterien, das heißt Aufträge gehen im Zweifelsfall an den leistungsstärkeren Anbieter. Dabei sind diverse städtische Vorgaben und Richtlinien zu beachten. Rechnungen müssen ein bestimmtes Aussehen haben, der Lieferant muss kostenfrei und umweltfreundlich ins Haus liefern. Er muss Bestellungen per Mail bearbeiten können und rückmelden, wenn sich eine Lieferung verzögern sollte. Er muss in der Lage sein, flexibel auf wechselnde Anforderungen der Bibliothek zu reagieren.

Die Leistungsstärke einzelner Lieferanten zeigt sich auch darin, wie schnell geliefert werden kann, wie zuverlässig außergewöhnliche Titel oder sehr große Stückzahlen beschafft werden können. Manche Lieferanten zeichnen sich durch zusätzliche Dienstleistungen aus, indem sie Neuerscheinungen in definierten Bereichen automatisch sofort bei Erscheinen bereits mit Rechnung oder zur Ansicht mit Rückgabemöglichkeit liefern. Ganz besonders wichtig sind diese Dienstleistungen auch im Bereich eBooks, weil hier ganz andere rechtliche Voraussetzungen als bei gedruckten Büchern gelten. Die Bibliothek kann gewünschte eBooks nicht irgendwo bei einem Lieferanten kaufen, sondern müsste mit jedem einzelnen Verlag Lizenzverträge abschließen. Dies übernimmt zur Entlastung der Bibliothek ein Dienstleister, der auch für die technische Umsetzung beim Erwerb der eMedien in einem Webshop und für die komfortable eMedien-Ausleihe sorgt.

MSB

Foto: Eva Jünger/Münchner Stadtbibliothek

Welche Rolle spielen Rabatte? Bekommt der Lieferant den Zuschlag, der alle Konkurrenten mit Dumpingpreisen aus dem Feld schlägt? Nein! Da es in Deutschland eine gesetzliche Buchpreisbindung gibt, kann das in diesem Bestandssegment so gar nicht passieren. Maximal 10% Bibliotheksrabatt dürfen Buchhandlungen gewähren. Bei der Preisgestaltung sind also alle gleich, egal ob kleine Stadtviertelbuchhandlung oder weltumspannender Internetanbieter.

Anders sieht es bei nicht preisgebundenen Medien wie CDs, DVDs, Konsolenspielen oder auch außerhalb von Deutschland erschienenen Büchern aus. Da die Bibliothek natürlich möglichst sparsam mit Steuergeldern umgehen muss, sind wir hier gehalten, möglichst hohe Rabatte zu vereinbaren, wenn das Leistungsspektrum der Lieferanten sich sonst nicht eklatant unterscheidet. Dann gilt es, Preisangebote und Lieferbedingungen intensiv zu vergleichen. Hier kommen natürlich häufig Münchner Unternehmen zum Zug, es kann aber auch mal ein spezialisierter Großhändler sein, der irgendwo anders in Deutschland oder der Welt beheimatet ist. So hat es sich z.B. herausgestellt, dass es für die Münchner Stadtbibliothek am effizientesten und kostengünstigsten ist, Bücher in polnischer Sprache in Dänemark zu kaufen.

Und wieviel kauft die Münchner Stadtbibliothek bei einem bekannten marktbeherrschenden Internetbuchhändler, der im Alphabet sehr weit vorne zu finden ist? Null – da dieser Anbieter schon bei den meisten oben genannten formalen Kriterien scheitert, die viele lokale Buchhändler ohne Probleme meistern.

Beantwortet von Ernst Zimmermann, Cheflektor

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