#faq, Folge 27

Was verbindet Mata Hari und Albert Einstein mit der Musikbibliothek?

Für alle drei war 1905 das entscheidende Jahr, in dem sie auf ihrem Gebiet revolutionär Neues schufen. Mata Hari führte in Paris zum ersten Mal ihren exotischen Schleiertanz auf, Albert Einstein veröffentlichte in der Schweiz seine spezielle Relativitätstheorie und in München eröffnete Paul Marsop die “Musikalische Volksbibliothek”. Deshalb kann die Musikbibliothek dieses Jahr ihr 111-jähriges Jubiläum mit vielen Events und Veranstaltungen feiern. Das Programm zum Jubiläum finden Sie hier.

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Mata Hari, 1906

Die Musik zu Mata Haris exotischem Schleiertanz hätte man in Marsops Bibliothek freilich nicht gefunden, denn das war für ihn “musikalische Schundliteratur”, die er in seiner Bibliothek nicht haben wollte.

Marsop, ein Musikschriftsteller und -kritiker, träumte von einem Ort, an dem auch Arbeiter, Handwerker und Näherinnen für wenig Geld Noten ausleihen und Bücher über Musik lesen konnten. Dabei herrschten strenge Regeln. Mal eben so kommen und die Partitur von Beethovens Oper “Fidelio” ausleihen wollen, ging gar nicht. Davor wurde man vom Bibliothekar befragt und nur, wenn man von diesem als “beethovenreif” eingestuft wurde, bekam man die Partitur ausgehändigt. Noch strenger war Marsop mit Leuten, die Salonmusik oder Operetten verlangten. “Wer in der Bücherei das ‘Dreimäderlhaus’ oder die ‘Czardasfürstin’ verlangt, muß 777mal, auf Erbsen knieend ‘Mozart’ sagen; im Wiederholungsfalle wird er postwendend auf eine von Kannibalen bewohnte Südseeinsel abgeschoben.” (O-Ton Paul Marsop!)

111 Jahre später drohen keine Strafen mehr, egal welchen Musikgeschmack die Besucherinnen und Besucher haben. Von Alphorn bis Zink, von Adele bis Zappa, von Australien bis Zypern, von Antiphon bis Zapfenstreich, von Alternative bis Zumba ist alles zu finden, was das Herz des Musikfans begehrt. Hochgelobtes wie die Autobiographie Bruce Springsteens ebenso wie kontrovers Diskutiertes wie die Biographie Xatars.

Wo Suchmaschinen aussteigen, beantworten die Musikbibliothekar_innen ungeachtet falscher Schreibweise und durcheinandergewürfelter Fakten Anfragen aller Art. Dem Kunden, der eine CD mit “Wie sag ich’s Tatatutzi. Sie wissen schon – die Musik aus der Werbung” sucht, wird eine Aufnahme von “Also sprach Zarathustra” von Richard Strauss mitgegeben, und der Sänger, der unbedingt die Noten dieser “Arie, in der einer Frau auf die Schulter geklopft wird” für ein Vorsingen braucht, bekommt Millöckers “Ach, ich hab sie ja nur auf die Schulter geküßt” ausgehändigt.

Schüler_innen, die von ihren Lehrer_innen ein “unmögliches” Facharbeitsthema aufgedrückt bekamen, erhalten Mitgefühl und die richtige Regalstelle oder Onlinedatenbank gezeigt.

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Magazin mit Telelift im 2. UG Foto: Eva Jünger

Der Vorrat an Noten und Büchern scheint nahezu unendlich und ist, zusammen mit den Medien der zentralen Bibliothek Am Gasteig, in den vier Untergeschoßen der Stadtbibliothek untergebracht. Die Summe dieser ca. 180.000 Musikmedien würde, aneinandergereiht, einmal um die Welt reichen. Telelifte (siehe #faq, Folge 9) bringen Magazinbestellungen schnell und sicher in die Musikbibliothek oder den Lesesaal.

Aber zur wichtigsten Frage: Was ist denn nun mit der Verbindung Mata Haris und Albert Einsteins zur Münchner Musikbibliothek, abgesehen von der gemeinsamen Bedeutung des Jahres 1905?

Die Musik zu Mata Haris Schleiertanz gibt es auch heute noch nicht im Bestand, wohl aber Musik aus Indien, Indonesien und dem Orient und natürlich Lehrbücher und DVDs mit Tänzen aus aller Welt. Und immerhin drei CDs widmen sich Albert Einstein: Die Opern “Einstein” von Paul Dessau, “Einstein on the beach” von Philip Glass und die Zündfunk Compilation “Alles Albert – Einstein wie ihn keiner kennt”.

Beantwortet von Bettina Wolff, Leiterin der Musikbibliothek

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