Everyday Heroes

Life Is Strange

Entführungen, Drogen, Psycho-Mobbing, Zeitmanipulationsfähigkeiten, mit denen ihr kleinere und größere Unfälle verhindert und sogar Menschen vor dem Tod rettet. Klingt nach einem ordentlichen Action-Adventure? Weit gefehlt. “Life Is Strange” spielt sich trotz der teilweise sehr dramatischen Detektiv-Story angenehm langsam und lässt euch nebenbei die alltäglichen Höhen und Tiefen des Erwachsenwerdens in einer sehr atmosphärischen Spielwelt miterleben.

Max you are not crazy. You are not dreaming. It’s time to be an everyday hero.

LIS_Ep5_SC3

Alle Bilder: Square Enix

In “Life is Strange” aus der kleinen französischen Entwicklerschmiede Dontnod spielt ihr die 18-jährige Fotografiestudentin Maxine Claufield, die gleich zu Beginn bei einer tödlichen Auseinandersetzung zweier Schüler ihre Fähigkeit entdeckt, die Zeit zurückzudrehen. Um diese Fähigkeit herum entwickelt sich dann sowohl Story als auch Gameplay dieses in einfach gemaltem Look daherkommenden Adventures.

Ursprünglich in fünf einzelnen Episoden veröffentlicht sind alle inzwischen auch als Gesamtausgabe für Xbox One, Playstation 4 und PC erschienen. Jede Episode deckt einen Tag in einer ziemlich wendungsreichen und ereignisgeladenen Woche von Max ab. Die Handlung ist im fiktiven kleinen Küstenort Arcadia Bay angesiedelt. Max ist von ihrem Elternhaus wieder zurück in ihren Geburtsort gezogen, um an der renommierten Blackwell Academy Fotografie zu studieren. Gleich zu Beginn stoßt ihr auf zahlreiche Flugblätter, die über eine vermisste exmatrikulierte Studentin Namens Rachel Amber informieren. So werdet ihr dann auch gleich, nach dem kurzen dramatischen Intro, in die  zugrundeliegende Detektivstory eingeführt, an deren Aufklärung ihr euch mit eurer Sandkastenfreundin, Chloe Price, macht. Hinter die dunklen Geheimnisse von Arcadia Bay kommt ihr erst nach einigen unvorhersehbaren Wendungen. Die wirklich gut gestrickte Story zerstreut dabei immer wieder die Verdachtsmomente und hält die Spannung geschickt aufrecht.

Eine Besonderheit der Story ist, wie die einfachen alltäglichen Probleme des Erwachsenwerdens, wie Gruppenzwang, Unsicherheit, Selbstzweifel und Freundschaft einfühlsam eingeflochten werden. So kitschig das jetzt klingen mag: Es kommt in keinem Moment des Spiels so rüber. Die Inszenierung nimmt einen mit und lässt einen so auf ganz natürliche, unaufdringliche Weise mit den Charakteren mitfühlen. Dem allen übergeordnet ist auf der einen Seite die Entwicklung eurer Fähigkeiten zur Manipulation der Zeit und die sich daraus ergebenden kniffligen und teils wirklich dramatischen Entscheidungen, auf der anderen Seite die sich apokalyptisch zuspitzenden Wetterphänomene, die irgendwie mit eurer Fähigkeit zusammenzuhängen scheinen.

Man könnte jetzt denken, dass die Möglichkeit, jederzeit die Zeit zurück spulen zu können, das ganze relativ simpel macht, aber ganz so leicht machen es einem die Entwickler dann doch nicht. Jede eurer Entscheidungen hat nämlich Folgen, die erst im späteren Verlauf des Spiels Auswirkungen zeigen. Hinzu kommt, dass die Entscheidungen nicht eindeutig als richtig oder falsch einzuordnen sind. Am Ende jeder Episode bekommt ihr dann, wie üblich bei Spielen dieser Art, eine Übersicht über alle Entscheidungen, die ihr getroffen habt, mit den entsprechenden Alternativen. Dies motiviert dann auch zum wiederholten Durchspielen.

LIS_Ep5_SC7Was das Spiel aus meiner Sicht aber ganz besonders aus der breiten Masse hervorhebt sind die künstlerische Gestaltung und die musikalische Untermalung, die das Spiel angenehm langsam macht, teilweise fast meditativ. So gibt es zum Beispiel in jeder Episode einen Ort an dem ihr euch hinsetzen könnt, dort schwenkt die Kamera langsam über die Umgebung, während ihr im Kopf kurz die Ereignisse nochmal durchgeht, während die Hintergrundmusik hervorgehoben wird. Klingt erstmal langweilig, aber glaubt mir: Ihr werdet länger sitzen bleiben und die Atmosphäre in euch aufsaugen. Dementsprechend gibt es dann auch eine Limited Edition mit Artbook und Soundtrack auf CD – ja, auch bei uns im Bestand.

Manch einer mag kritisieren, dass die Grafik nicht auf dem neuesten Stand ist. Und auch dass die Entstehung der Zeitmanipulationsfähigkeiten und der Zusammenhang mit den apokalyptischen Wetterphänomen nicht wirklich logisch ist und auch nicht zufriedenstellend aufgeklärt wird. Dennoch ist “Life is Strange” für mich, in Anbetracht der breiten Masse, die auf immer schnellere Action setzt, eine herrlich angenehme Abwechslung gewesen.

Nebenbei sei noch angemerkt, dass es keine deutsche Synchronisation gibt, sondern nur Untertitel, was allerdings, wie ich finde, eher positiv zur Gesamtatmosphäre beiträgt.

John Lennon once said that “Life is what happens while you’re busy making other plans.”

Neugierig? Hier gibt’s den offizellen Trailer.

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Marco

Als Serienjunkie und passioniertem Gamer bleibt mir neben der Arbeit nicht all zu viel Zeit für das Lesen. Diese investiere ich dann meistens in Sachbücher zu den Themen Sport und Ernährung. Daneben begeistere ich mich für ausgefallene Filme abseits des Mainstreams und das SciFi-Genre.

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