Eine Mutter ist eine Mutter ist eine Mutter

Orna Donath: #regretting motherhood – Wenn Mütter bereuen

Die in vielen Medien präsente Diskussion um bereute Mutterschaft hat mich neugierig gemacht. Mütter haben Kinder bekommen und bereuen das nun – eigentlich alles ganz einfach, oder? Nein, weit gefehlt.

Auslöser des medialen Echos war eine Studie der Soziologin Orna Donath, die dieses Phänomen der bereuenden Mütter untersuchte. Nun wurde ein Buch veröffentlicht, in dem die Studie vorgestellt wird.

Regretting Motherhood von Orna Donath

Dieses Buch ist ein Plädoyer für vollständige Geschichten über Mutterschaft. Häufig ist die Mutterschaft das Erfüllen einer gesellschaftlichen Norm, der logische nächste Schritt auf dem Lebensweg. Doch über die Kosten, die Folgen, die diese Entscheidung für die Mütter hat, wird nach Donaths Ansicht zu wenig offen gesprochen.

Während also eine Nichtmutter als defizitär und manchmal gar als Nichtperson angesehen wird, betrachten die von mir befragten Mütter ihre Mutterschaft als etwas, wodurch sie überhaupt erst in defizitäre Personen verwandelt wurden, während ihnen ihre Erfahrung vor der Mutterschaft reicher und befriedigender erscheint. Mit anderen Worten: Statt eine Entwicklung zu beschreiben, die von “defizitär” zu “vollkommen” verläuft, führt in ihren Augen der Weg von “erfüllt” zu “entleert”.

Mit der Mutterschaft wird die Frau vom Subjekt zum Objekt. Wurden ihr vorher selbstverständlich eigene Gefühle, Meinungen und Bedürfnisse zugestanden, wird nun von ihr erwartet, dass sie alles dem Kind unterordnet. Sie gibt ihre gesamte Persönlichkeit auf. Donath sieht die Ursache darin, dass Mutterschaft gesellschaftlich als Rolle betrachtet wird und nicht als Beziehung zwischen zwei Individuen. Dieses Phänomen ist unabhängig von der sozialen Schicht und den finanziellen Umständen. Es betrifft alle Mütter.

Auf Väter trifft es interessanterweise nicht im gleichen Ausmaß zu.

Natürlich wird auch die Liebe eines Vaters begrüßt und wertgeschätzt, aber neben seiner charakteristischen Hauptfunktion – der des Ernährers – erscheint seine Liebe zu den Kindern eher wie eine Art zusätzlicher Bonus.

Das ist deutlich zu sehen, wenn es um Freizeitgestaltung, berufliche Entscheidungen und die Trennung von der Familie geht. Von Müttern wird erwartet, dass sie bei all diesen Dingen zunächst über die Bedürfnisse der Kinder nachdenkt, was bei Vätern nicht der Fall ist. Eine Wegzug des Vaters von der Familie beispielsweise ist wesentlich akzeptierter als der der Mutter.

Fällt eine Mutter nun aus ihrer “Rolle”, indem sie ambivalente Gefühle zugibt oder bereut, sich für die Mutterschaft entschieden zu haben, erntet sie meist Unverständnis oder verurteilende Reaktionen. Doch gerade der offene Umgang mit den emotionalen Folgen der Mutterschaft ermöglicht erst eine Entmythisierung des Mutterbildes und damit auch eine echte Entscheidungsfreiheit für Frauen.

Ich wünsche mir eine breite Leserschaft für dieses klare und erhellende Buch!

Foto Orna Donath: ©Tami Aven

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Anke

Sachbücher über Geschichte und Gesellschaft gefallen mir. Romane lese ich rasant und in rauen Mengen. Nur Liebesgeschichten lasse ich links liegen.

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