Detektivin und Femme Fatale

Miss Fishers mysteriöse Mordfälle (TV-Serie)

Während die meisten von uns mühelos mindestens eine amerikanische Fernsehserie aufzählen können, dürften die Ergebnisse bei australischen Serien eher dürftig ausfallen. Dabei produziert auch Down Under Fernsehhits. Einer davon ist „Miss Fishers mysteriöse Mordfälle“, die ich den Fans von Serienformaten gerne ans Herz legen möchte (und allen anderen auch).

Bei Miss Fisher handelt es sich um eine junge, sehr moderne Frau, die irgendwann in den 1920er Jahren in Melbourne eintrifft. Sie scheint irgendwie zu Geld gekommen zu sein und gönnt sich eine großes Haus, ein Auto (das sie – shocking! – auch selbst hin und wieder fährt), zwei kommunistische Chauffeure, das Hausmädchen Dot (das ihr als Assistentin etwas tapsig zur Seite steht) und einen Butler (genannt Mr. Butler). Ihre große Leidenschaft sind Mordfälle, und so gerät sie als selbsternannte Detektivin immer wieder Inspector Robinson und dessen Helfer Constable Collins in die Quere. Während der Inspector sie anfangs noch als Störenfried empfindet, wird sie zunehmend eine willkommene Helferin. Denn keiner (vor allem kein Mann) kann dem Charme, Witz und Geist von Phryne Fisher widerstehen.

MissFishersMysteriöseMordfälle_Staffel1     MissFishersMysteriöseMordfälle_Staffel2     MissFishersMysteriöseMordfälle_Staffel3

In kurzweiligen 60 Minuten löst Miss Fisher (dargestellt von der tollen Essie Davis) jeweils einen Mordfall. An dieser Stelle sollte ich vielleicht erwähnen, dass die Verbrechen nicht spektakulär und noch-nie-dagewesen sind. Alle Fälle könnten als klassische Whodunits genauso gut von Miss Marple aufgedeckt werden. Doch Phryne (sprich Fraini) Fisher ist so liebenswert, selbstbewusst und schlagfertig, dass einen die Serie schnell in seinen Bann zieht. Jede Folge hatte laut Wikipedia ein Budget von umgerechnet 650.000 Euro (und ist damit Australiens teuerste Serienproduktion): originale Requisiten und Fahrzeuge erzeugen ein großartiges Bild der 1920er Jahre in Melbourne. Die Filmmusik jazzt und swingt, was das Zeug hält. Und Phryne muss einen gigantischen Kleiderschrank haben, denn noch nie sah eine Mordermittlerin besser angezogen aus! Man darf sie sicher als Flappergirl bezeichnen: Sie genießt das Leben und würde um nichts auf der Welt ihre Selbständigkeit einbüßen wollen; als Beschützer reicht ihr ein kleiner Revolver.

Serien, die Anfang des 20. Jahrhunderts spielen, sind gerade sehr beliebt. Egal ob Downton Abbey, Boardwalk Empire, Grand Hotel, Peaky Blinders oder Mr. Selfridge (um nur einige zu nennen): All diese Formate lassen eine längst vergangene Zeit wieder erblühen. Miss Fisher passt gut in dieses Schema und unterhält mit humorvoller und leichter Kost. In Australien sind bereits drei Staffeln ausgestrahlt, im deutschsprachigen Raum erscheint die 3. Staffel am 30. September. Ich bin mir sicher, dass diese Serie auch hierzulande noch viele Fans gewinnen kann. Also, gebt auch ihr der fabelhaften Miss Fisher eine Chance und erweitert euren Serienhorizont um ein australisches Format.

“Miss Fishers mysteriöse Mordfälle” im Online-Katalog der Münchner Stadtbibliothek

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Birgit

Ich lasse mir gerne gute Geschichten erzählen, egal ob durch einen Roman oder einen Spielfilm (Letzteres bevorzugt auf der großen Leinwand eines Kinos) – typische Hobbys eines Bibliotheksmitarbeiters also. Wenn es dann in den erzählten Geschichten noch in die 20er Jahre des vergangenen Jahrhunderts geht, ist damit ein weiteres meiner Steckenpferde abgedeckt. Außerdem lese ich gerne Sachbücher, die mir gekonnt Fakten erklären, sei es zu Geschichte, Kunst oder unnützem Wissen. Und wenn dann noch Zeit bleibt: Musik hören, backen, fotografieren, unterwegs sein …

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