Der schönste Beruf der Welt

Zu Besuch bei der Münchner Kinderbuch-Autorin Michaela Hanauer

Einen Nachmittag mit Michaela Hanauer-Dietmaier zu verbringen, ist ein großes Vergnügen, denn die Münchner Kinderbuchautorin ist nicht nur in ihren Büchern eine tolle Erzählerin. Auf jede meiner vielen Fragen gibt sie bereitwillig eine ausführliche Antwort, so dass ich schließlich beim Schreiben dieses Portraits die Qual der Wahl hatte.

Auf Umwegen zum Schreiben

Die 1969 im Stadtteil Neuhausen geborene Münchnerin war immer schon begeistert von den Worten und der Sprache. Bereits als Kind hat sie Erzählungen geschrieben und diese der Familie und Freunden vorgetragen oder vorgespielt (Theater spielt sie – nebenbei bemerkt – auch heute noch gerne). Und weil sie von klein auf viel gelesen hat, war der Bibliotheksausweis bei der Münchner Stadtbibliothek eine Selbstverständlichkeit: Mit diesem Ausweis hat sie sich einmal quer durch den Kinderbestand der damals noch existierenden Filiale in der Nibelungenstraße gelesen.

Ich wusste immer sofort, wenn ein Buch neu im Bestand war, denn ich hab‘ wirklich alle Bücher dort verschlungen.

Kein Wunder also, dass sie seit jeher “Autorin” als Traumberuf angegeben hat. Diese Idee verlor sie allerdings ein wenig aus den Augen – einfach weil sie nicht wusste, wie man genau Autorin wird. Stattdessen studierte Michaela Hanauer zunächst Jura und arbeitete dann sowohl in Kanzleien als auch in der Rechtsabteilung eines Verlages.

Jura hat sehr viel mit Sprache zu tun, und es ist von Vorteil, wenn man selbst gut mit Sprache umgehen kann. Deshalb sind sich Jura und Schreiben gar nicht so unähnlich.

Auf Umwegen ist sie also doch noch zum Schreiben gekommen und hat – wie sie selbst sagt – den schönsten Beruf der Welt (abgesehen von den Finanzen, denn reich wird man als Autor normalerweise nicht). Seitdem schreibt sie für Kinder und Jugendliche und betreut außerdem in ihrer Literaturagentur zahlreiche Autorinnen und Autoren.

Kinder sind ehrliche Zuhörer

Schreiben ist auch ein Handwerk (Foto: Unsplash)

Aber wie entsteht denn überhaupt ein Buch? Da ist in Phase 1 die Euphorie, wenn man als Autor seine nächste Geschichte gefunden hat.

Das ist immer ein ganz besonderer Moment.

Dann geht es in den nächsten Phasen ans Eingemachte: Ein Plot muss aufgebaut und dramaturgisch auf sichere Füße gestellt, und die Figuren müssen detailliert entwickelt werden.

Das ist arbeitsintensiv und sehr handwerklich.

Es folgen die Phase des ersten Satzes – auch ein ganz besonderer Augenblick – und das Schreiben und Fertigstellen der Geschichte.

Schwierig wird es immer dann, wenn man mit sich selbst mehr beschäftigt ist als mit der Geschichte; aber jeder hat mal einen schlechten Tag, nur darf der Leser das später nicht merken.

Und so vergehen zwischen zwei Monate und mehreren Jahre, bis aus der Idee ein gedrucktes Buch wird.

Der schönste Moment ist aber der, wenn man Kindern das Geschriebene vorliest. Kinder sind da sehr ehrlich. Es gibt nichts Besseres, als beim Vorlesen in glückliche, gespannte, lachende und mitfiebernde Kinderaugen zu sehen. Wenn man ein Kind durch Vorlesen „erwischt“ – also vollauf begeistert hat –, dann bekommt man es auch zum Lesen.

München als perfekter Ort für Literatur

Deshalb ist es ein großes Glück, dass die Münchner Lesefüchse e.V. Michaela Hanauer gewinnen konnten und sie seit etlichen Jahren ehrenamtlich in der Münchner Stadtbibliothek Kindern vorliest. Wer sie einmal beim Vorlesen erlebt hat, der merkt, wie sehr Michaela Hanauer das Vortragen und das Erzählen liebt und mit welcher Leidenschaft sie Geschichten in die Welt trägt. Denn gerade heutzutage, in einer Zeit, in der so viele Menschen sich selbst in den sozialen Medien darstellen, kommt der Literalität eine besondere Aufgabe zu:

Die Sprache ist unser wichtigstes Kommunikationsmittel, insofern ist derjenige schlau, der durch das Lesen daran feilt!

In München geboren und aufgewachsen, begreift Michaela Hanauer diese Stadt als etwas Besonderes:

München ist generell ein perfekter Ort für Literatur. Das liegt nicht nur an der hohen Verlagsdichte. Sondern es ist eine kreative und entspannte Stadt. Es gibt hier so tolle Parks, in denen die Ideen fließen können. München vereint, im Grünen und in der Stadt zu sein. Leider ist es aber sehr teuer hier zu leben, und damit hat man es als Autor nicht leicht.

Deshalb bleibt auch ihr Wunsch ein Wunschtraum:

Ich wäre gerne Thomas Mann gewesen, denn ich hätte gerne seine „Poschi“, die Villa in der Poschingerstraße als Autorenresidenz. Dann würde ich auch Manns kleinen dekadenten Spleen pflegen, und es würde überall in der Villa heißen: Psst, Michaela arbeitet gerade!

Bilck auf Schloss Nymphenburg (Pixabay)

Dennoch inspirieren so mancher Lieblingsort wie der Nymphenburger Schlosspark oder der Tierpark sie zu immer neuen Ideen.

Solange sich Menschen in Geschichten entführen lassen, solange wird es auch Bücher geben. Diese Zeit, um in Stille mit sich in ein Buch einzutauchen, ist doch toll!

Neben der Arbeit mit „ihren Autoren“ und der Entwicklung eigener Geschichten bleibt leider meist nur wenig Zeit, um selbst genussvoll zu lesen (zum Glück gibt es abends zum Einschlafen immer noch ein Stückchen Hörbuch). Demnächst geht es nach Schottland, und neben dem Reiseführer kommen sicher auch Romane ins Gepäck, denn „Urlaub ist für mich immer auch Zeit zum Lesen“. Vielleicht trifft sie ja auf der Insel zufällig auf J.K. Rowling, deren Werke Michaela Hanauer bewundert:

Sie arbeitet handwerklich extrem sauber und gut und beherrscht ihre Figuren, die sie feinsinnig entworfen hat. Frau Rowling zu treffen, wäre ein echter Traum von mir.

Doch auch so wird Schottland bestimmt – wie so viele Orte – Michaela Hanauer zu neuen Ideen anspornen, denen wir vielleicht demnächst in einem ihrer Bücher begegnen – entworfen von einer tollen und begeisternden Münchner Autorin.

Michaela Hanauer im Onlinekatalog der Münchner Stadtbibliothek

Weitere Infos zur Autorin findet ihr unter www.agentur-hanauer.de

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Birgit

Ich lasse mir gerne gute Geschichten erzählen, egal ob durch einen Roman oder einen Spielfilm (Letzteres bevorzugt auf der großen Leinwand eines Kinos) – typische Hobbys eines Bibliotheksmitarbeiters also. Wenn es dann in den erzählten Geschichten noch in die 20er Jahre des vergangenen Jahrhunderts geht, ist damit ein weiteres meiner Steckenpferde abgedeckt. Außerdem lese ich gerne Sachbücher, die mir gekonnt Fakten erklären, sei es zu Geschichte, Kunst oder unnützem Wissen. Und wenn dann noch Zeit bleibt: Musik hören, backen, fotografieren, unterwegs sein …

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