Computerspielzeitschrift mal anders

WASD – Bookazine für Gameskultur

Die Zeitschrift WASD nennt sich selbst Bookazine für Gameskultur. Was man oder frau sich darunter vorstellen soll, ist auf den ersten Blick nicht ganz klar. Mit circa 200 Seiten Umfang pro Ausgabe erklärt sich wenigstens der “Book”-Anspruch. Außerdem finden sich in der Zeitschrift auch keine Tests und Ankündigungen zu den neuesten Games inklusive Hochglanzfotos, wie man es von den meisten Videospielzeitschriften kennt.

Halbjährlich werden in WASD Artikel verschiedener Autorinnen und Autoren zu einem bestimmten Thema, mit mehr oder weniger Bezug zu Videospielen, veröffentlicht. Hierbei setzen sich die Autorinnen und Autoren aus kultureller, philosophischer und sozialer Sicht auf unterschiedlichste Weise mit dem jeweiligen Thema auseinander. Auch designtechnisch werden andere Wege gegangen, etwa mit unterschiedlichen Layouts und handgefertigten Illustrationen. So hat das Bookazine auch schon einige Designpreise eingeheimst.

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Bilder mit freundlicher Genehmigung von WASD

Ausgabe 5 widmet sich beispielsweise dem Thema “Computerspiele und das liebe Geld”. Darin untersucht der Autor Arnost Stanzel, ob keynesianische Ökonomie oder Neoliberalismus in Computerspielen häufiger vorzufinden sind und was besser funktioniert. Er kommt zu dem Schluss:

Der Neoliberalismus hat ein Problem: Er macht weniger Spaß. Und zwar weder im Spiel noch im richtigen Leben.

Des Weiteren setzt sich Christian Huberts in der Ausgabe mit prekären Leben im Computerspiel auseinander.  Beziehungsweise: Warum in Computerspielen so häufig auf rücksichtslosen Kapitalismus gesetzt wird, statt auch prekäre Situationen dem öffentlichen Bewusstsein näher zu bringen. Ausgabe 7 folgt unter dem Titel “Wer spielen will, muss fühlen” der Spur der Gefühle in Games. Hier stellt sich zum Beispiel Joe Köller die Frage:

Kann man bei einem System, das Figuren in ein Korsett aus vorgeschriebenen Reaktionen zwängt und an mich kettet, während ich sie durch weltbewegende Ereignisse schleppe, jemals von Liebe sprechen?

Trotz all der kritischen Auseinandersetzung merkt man jederzeit, dass hier Autorinnen und Autoren am Werk sind, die selbst mit Computerspielen aufgewachsen sind und diese lieben. Das gilt im selben maße auch für weitere Rubriken wie “Kolumne”, “Spiel” und “Spielwelten”, in denen auf verschiedenste Themen und Spiele, eingegangen wird, teils auch mit einer Prise Humor und einem Augenzwinkern.

Als zu der Generation gehörend, die mit Spaceinvaders, C64 und Atari groß geworden ist, fühle ich mich beim Lesen der Artikel immer wieder “heimisch”. Hier schreiben Menschen, für die Computerspiele fester Bestandteil ihrer Medienwelt und damit auch ihrer Kultur darstellen. Die Zeitschrift kann im Bereich von update in der Bibliothek am Gasteig auf Ebene 1.2 gleich vor Ort gelesen oder auch – ist ja doch etwas mehr Lesestoff – ausgeliehen werden. Auch das Online-Angebot mit eigenem Podcast ist einen Blick wert.

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Marco

Als Serienjunkie und passioniertem Gamer bleibt mir neben der Arbeit nicht all zu viel Zeit für das Lesen. Diese investiere ich dann meistens in Sachbücher zu den Themen Sport und Ernährung. Daneben begeistere ich mich für ausgefallene Filme abseits des Mainstreams und das SciFi-Genre.

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