Auslese: Sendlinger Lesezeichen

In der neuen Veranstaltungsreihe „Lesezeichen“ verraten Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter der Münchner Stadtbibliothek ihre Lieblingslektüren und geben Buch- und Filmtipps für ganz unterschiedliche Geschmäcker und Interessen. Und damit alle etwas davon haben, gibt es ihre Tipps auch hier im Blog. Diesmal: Nadine und Katja aus der Stadtbibliothek Sendling. Ein Klick auf den jeweiligen Titel führt direkt in unseren Online-Katalog zum Ausleihen oder Bestellen.


Nadine

Zwei Romane, die einen ergreifen und deren Figuren sich im Kopf einnisten sind „Eiskalter Süden“ von Nicola Lagioia (Secession, 528 Seiten) und „Ein wenig Leben“ von Hanya Yanagihara (Hanser, 960 Seiten). Fast auf jeder Seite diese Bücher wird man zwar intensiv mit Schmerz konfrontiert (und das auf fast 1000 Seiten bei „Ein wenig Leben“) und doch sind sie wunderschön auf ihre Weise. „Eiskalter Süden“ lockt mit eindrucksvollen Sprachbildern – wilde Tiere, eiskalte Menschen und eine noch schönere Landschaft ziehen in den Bann, trotz der Thematik. Und „Ein wenig Leben“ wollte ich gar nicht lesen, aber meine Chefin brauchte jemanden mit dem sie darüber reden kann (vielen Dank nochmal!), und am Ende konnte ich es nicht mehr aus der Hand legen. Eine Geschichte mit ganz viel Gut, ganz viel Böse und einer Freundschaft, die mich oft schluchzend (und das in der U-Bahn!) zurückließ.

Um die emotionale Achterbahnfahrt etwas abzudämpfen, sei der Film „The Sea of Trees“ von Gus van Sant empfohlen. Von Schuldgefühlen geplagt und mit einem endgültigen Ziel (im wahrsten Sinne des Wortes) macht sich ein Mann auf eine Reise nach Japan. Am Ende ist es die Liebe, die ihn wieder nach Hause führen wird (Schmerz lass nach!).

„Das Nest“ von Cynthia D’Aprix-Sweeney (410 Seiten, Klett-Cotta): Witzig, locker flockig und mit raffinierten Charakteren unterhält dieser Roman bestens. Ein charmantes Schlitzohr, geldgeile Geschwister und ganz viel New York. Und ist die Hälfte der Romanbesetzung am Anfang noch unsympathisch, freut man sich über die Figurenentwicklung und das Ende.

„Die siebte Sprachfunktion“ von Laurent Binet (Rowohlt, 528 Seiten): Mord, Philosophie, 007, Umberto Eco, Semiotik, „Columbo“, Logos-Club , Geheimdienste, Wahlkampf und skurrile Begegnungen – ein ausführlicher Einblick in diesen ungewöhnlichen Roman is coming soon, hier im Blog!

„Nordische Mythen und Sagen“ von Neil Gaiman (Eichborn, 256 Seiten): Es war an einem mystischen Strandabschnitt auf Usedom, die Steilküste im Hintergrund, die rauen Wellen im Blick, als ich meine Liebe zu Neil Gaiman und seinem Odin entdeckte. Das ist jetzt über zehn Jahre her, und ich schlage jedes mal wieder Purzelbäume, wenn jemand begeistert von „American Gods“ (s.u.) erzählt. Und ich kann an dieser Stelle nur nochmal meine Kollegin zitieren: „Ein spannender Roadtrip, der den Helden Shadow Moon durch ganz America führt.“ Für jeden nordischen Sagenwelt-Liebhaber daher auch ein Muss „Nordische Mythen und Sagen“ – und bald auch als Hörbuch verfügbar – herrlich zum Einschlafen!

„Frühstück mit den Borgias“ von DBC Pierre: Mystisch geht’s auch im Küstenhotel The Cliffs zu. Ein Informatikprofessor möchte nur ein paar sinnliche Stunden mit seiner Geliebten in Amsterdam verbringen. Doch stattdessen landet er in einem abgeschiedenen Hotel ohne Internet oder Handyempfang mit verschrobenem Personal und seltsamen Gästen. Gruselatmosphäre in Zeiten der Digitalität – ein überraschend anderes Lesevergnügen.


Katja

Als leidenschaftlicher Serienjunkie verfolge ich immer gespannt die neuesten Entwicklungen auf dem – vorrangig amerikanischen – Serienmarkt. Für 2017 werden ca. 500 neue Serien erwartet. Eine unglaubliche Zahl! Ich halte mich mit Hilfe von einschlägigen Internetseiten und Podcasts auf dem Laufenden. Ein aktueller Trend ist die Adaption von Romanvorlagen. Und so begegnen mir dieses Frühjahr nicht nur potentielle neue Lieblingsserien, sondern auch wirklich lesenswerte Bücher.

„Der Report der Magd“ von Margaret Atwood (Piper, 416 Seiten, dt. von Helga Pfetsch): Ein totalitärer Militärstaat. Eine patriarchische Gesellschaft. Frauen ohne Rechte. Dieser dystopische Roman der kanadischen Autorin Margaret Atwood stammt aus dem Jahr 1985, war in den 1990ern ein Bestseller, ist längst ein Kultbuch und heute wieder erschreckend aktuell. Die bewegende und aufwühlende Geschichte um die Hauptfigur Desfred, erzählt von einer Frau, der alles genommen wurde und die sich trotzdem nicht aufgibt. Der Piper Taschenbuchverlag bringt im April eine Neuauflage heraus. Ebenfalls im April erscheint in den USA die Serienadaption des Romans.

„American Gods“ von Neil Gaiman (Eichborn, 672 Seiten, dt. von Hannes Riffel): Die fantastischen Geschichten des populären Briten greifen häufig mythische Elemente und Sagen auf. In „American Gods“ stehen einander die alten Götter, der teils vergessenen Religionen, und die neuen, von den Menschen geschaffen Götzenbilder, gegenüber. Ein Krieg droht. Wer gewinnt die Gunst der Menschen? Donnergott Zeus oder der Gott des Internets? Ein spannender Roadtrip, der den Helden Shadow Moon durch ganz America führt. „American Gods“ ist brutal skurril, derbe lustig und extrem spannend. Serienmacher Bryan Fuller hat sich den Stoff vorgenommen. Ab Mai kann man die erste Staffel auch in Deutschland bei Amazon sehen.

„Show me a hero“ von David Simon (HBO Mini-Serie): Yonkers, NY, im Jahr 1987. Per Gerichtsbeschluss wird der Stadtrat gezwungen neue Sozialwohnungen zu bauen – inmitten einer gutbürgerlichen, weißen Wohnsiedlung. An dieser Herausforderung droht die Stadt zu zerbrechen. Rassismus und Ängste bedrohen und bewegen die Bevölkerung.

Show me a hero and I’ll write you a tragedy – F. Scott Fitzgerald

Im Zentrum des Sturms steht Nick Wasicsko. Der junge Politiker wird zum Bürgermeister gewählt und muss sich nicht nur mit der aufgebrachten Wählerschaft, seinen korrupten Stadtratsmitgliedern und der strengen Justiz auseinander setzen – den eigentlichen Kampf führt er gegen seinen eigenen Ehrgeiz, seinen Stolz und sein Versagen. Die Geschichte basiert auf wahren Begebenheiten und dem gleichnamigen Sachbuch von Lisa Belkin. Serienschöpfer David Simon porträtiert die Protagonisten mit Feingefühl und Scharfsinn. Seine Gesellschaftsstudien sind immer visuell bewegend und absolut authentisch.

„Kleiner Bruder, großer Bruder“ von Elena Shumilova und Inka Friese (Bildband, Fischer Sauerländer, 56 Seiten): Elena Shumilova lebt mit ihrer Familie auf einem Bauernhof in der Nähe von Moskau. Die Fotografie war eigentlich nur ein Hobby. Das liebste Motiv: die drei kleinen Söhne. „Kleiner Bruder, großer Bruder“ handelt von den beiden Brüder Wanja und Joschi. Sie sind die besten Freunde, unzertrennlich und einander sehr nah. Doch als sie erfahren, dass sie bald noch einen Bruder bekommen, ändert sich die Situation. Joschi bekommt Angst und bangt um die Liebe und Aufmerksamkeit seines großen Bruders. Wird Wanja den neuen, kleinen Bruder lieber mögen? Welche Rolle fällt nun Joschi zu, jetzt da er nicht mehr der Jüngste in der Familie ist? Die wunderschönen Fotografien vermitteln die Stimmungen und Gefühle auf ruhige, unaufdringliche Weise.

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Nadine

Meine Wunschliste 2017: mehr Fleisch beim wöchentlichen Teamkochen, Daenerys und Jon Snow reiten endlich auf einem Drachen in den Sonnenuntergang, zwei oder ein Laster loswerden, mehr Toleranz für Iny-Lorentz-Leser aufbringen, UND mehr Bücher mit Happy End lesen!

Kommentar zu “Auslese: Sendlinger Lesezeichen

  1. Hermine on 24/03/2017 at 6:07 pm sagt:

    Naja iny lorentz sind auch nicht besser als vampirleser….Sex im sechsten kapitel…
    Und beides ist so unglaublich historisch echt und nachvollziehbar…
    Wuhaha

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