Was die Bibliothek für Bloggerinnen und Blogger sein und tun kann

Es gibt zahllose Empfehlungslisten für Bloggerinnen und Blogger. Doch Bibliotheken kommen darin üblicherweise nicht vor. Warum eigentlich? Ich kann es ehrlich nicht verstehen, denn Bibliotheken haben da eine Menge zu bieten. Sechs Tipps, wie Bloggerinnen und Blogger die Bibliothek für sich nutzen können.

1. Kostenloser Co-Working-Space

Glaubt man den Statistiken (zum Beispiel diesen hier), dann sind die meisten Bloggerinnen und Blogger auch weiterhin Freizeit- und FeierabendtäterInnen; nur einige wenige verdienen mit dem Bloggen wirklich Geld. Immer wieder muss deshalb der Küchen- als Schreibtisch oder ein Café als Büro herhalten – andauernde Ablenkung leider inbegriffen. Wer gerne mal wieder konzentrierter arbeiten möchte, aber sich dafür nicht gleich im Co-Working-Space einmieten möchte, der ist in einer öffentlichen Bibliothek prima aufgehoben: Allein in unserer Stadtbibliothek Am Gasteig gibt es mehrere hundert Arbeitsplätze, sowohl für AlleinarbeiterInnen als auch für Kleingruppen, die meisten davon mit eigener Steckdose. Um einen davon zu nutzen, braucht es nicht einmal einen Bibliotheksausweis, und das W-LAN ist in all unseren Häusern ohnehin frei und kostenlos.

Mein persönlicher Tipp ist die Stadtteilbibliothek in Giesing: Am Fenster mit Blick auf das lebendige Viertel bloggt es sich ganz formidabel!

Arbeitstisch in der Stadtbibliothek in Giesing

2. Vielfältige Weiterbildung

Die Digitalisierung ändert unser aller Berufs- und Lebenswelten, und das bedeutet auch für Bloggerinnen und Blogger, dass sie stets auf dem neuesten Stand bleiben müssen. Gerade wer im eigenen Namen bloggt, muss nicht nur das Schreiben und Online-Publizieren beherrschen, sondern sollte sich auch mit Social Media, in der Juristerei und im Marketing auskennen. Zu all diesen Themen findet ihr bei uns jede Menge.

Mein persönlicher Tipp ist unser eLearning-Angebot, das man mit einem Bibliotheksausweis von jedem Computer aus nutzen kann. Dort finden sich zum Beispiel mehr als 1.500 Kurse über „Software und Programmieren“, fast 100 Tutorials zur Persönlichkeitsentwicklung und knapp 250 Kurse zur beruflichen Weiterbildung. Meine Kollegin Eva hat vor einiger Zeit den Selbsttest gemacht:

Man lernt nie aus! Oder: Wie ich von weniger mehr hatte

3. Trends entdecken

Es gibt diverse Tools, die es Bloggerinnen und Bloggern ermöglichen (sollen), aktuelle Trends und neue Themen für ihr Blog aufzuspüren. Eine öffentliche Bibliothek wird in solchen Aufzählungen nie geführt, obwohl sie sich mindestens genauso gut dafür eignet. Mami-BloggerInnen entdecken in unserem ziemlich umfangreichen Kinderprogramm, was bei den Kleinen an Geschichten und Tools gerade angesagt ist, Literatur-BloggerInnen gewinnen in der Bibliothek denkbar schnell einen Überblick über aktuelle Neuerscheinungen, und Mode-BloggerInnen können sich beim Durchblättern von dutzenden nationalen und internationalen Zeitschriften informieren und inspirieren lassen. Um nur drei Beispiele zu nennen …

Mein persönlicher Tipp ist der PressReader: ein digitales Portal mit mehr als 6.000 Zeitungen, Magazinen und Zeitschriften aus aller Welt – mehr Vielfalt und Unbekanntes gibt´s wohl nirgends.

Zeitschriftenlesesaal in der Stadtbibliothek Am Gasteig

4. Unterstützung bei der Recherche

Jeder Blogger, jede Bloggerin kennt diesen Moment: Der Text ist eigentlich perfekt – nur diese eine Information, dieser eine Fakt lässt sich partout nicht herausfinden! Google versagt mal wieder, und selbst die allwissende Freundin hat keine Idee, wo man noch suchen könnte. In einer öffentlichen Bibliothek ist das gar kein Problem, im Gegenteil: Man geht einfach zu einer Bibliothekarin oder einem Bibliothekar und stellt seine Frage. Und wenn es eine Antwort darauf gibt, dann finden wir sie auch, weil BibliothekarInnen genau dafür ausgebildet wurden und zudem Zugriffe auf Recherchetools haben, die dem Laien schon mal zu komplex sein können.

Think about it: they employ people whose whole job is to make sure you not only can find what you’re looking for, but to help you sort through what you find. How awesome is that? Pretty darn awesome. (Emma Cueto, “Libraries Are Surprisingly Popular, and Oh Yeah, They Also Make You Awesome”, Bustle)

5. Wege aus der Filterblase

Auch das kennt jeder Blogger und jede Bloggerin: Immer wieder ereilt einen das Gefühl, sich nur noch in der eigenen Blogblase zu bewegen. Plötzlich merkt man, dass man in den vergangenen Tagen oder gar Wochen nur noch Blogs gelesen hat, die über ähnliche Themen und Interessen publizieren; dass man sich nur noch mit Menschen über Bekanntes und Altbewährtes unterhält; dass es, kurz gesagt, mal wieder Zeit wäre, den Kopf durchzulüften, um Platz für Neues zu schaffen. Nichts leichter als das in einer Bibliothek: Wechselt das Stockwerk und streift dort mal durch die Regale, lauscht der SchülerInnen-Arbeitsgruppe am Nebentisch, besucht eine Lesung von einer euch unbekannten Autorin. Einfach so.

Mein persönlicher Tipp ist der Salon Mayer, der am 8. und 9. Dezember zum ersten Mal stattfindet. Mit Julya Rabinowich und Barbara Yelin treffen zwei originelle und faszinierende Autorinnen lesend, redend und zeichnend aufeinander. Mehr Information …

6. Raum für Ideen

Öffentliche Bibliotheken sind Orte, die nicht nur allen Menschen offen stehen, sondern auch deren Ideen. Bloggerinnen und Blogger gelten uns nicht als mögliche InfluencerInnen, sondern als PartnerInnen, mit denen wir gemeinsam etwas Spannendes für unsere Nutzerinnen und Nutzer schaffen können. Ein aktuelles Beispiel ist Franziska mit ihrem Blog “Franzi liest”, die in regelmäßigen Abständen ihre Buchtipps in der Stadtteilbibliothek in Berg am Laim ausstellt und mit der zusammen wir noch einiges mehr vorhaben. Du hast auch eine Idee für unsere Bibliothek? Dann sprich uns einfach an!

 

Featured Image: Mikayla Mallek/Unsplash

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Katrin

Als Kind wollte ich Bibliothekarin oder Journalistin werden - nach dem Literatur-Studium entschied ich mich zunächst für Letzteres. Um dann doch wieder in einer Bibliothek zu landen: Seit 2015 bin ich in der Münchner Stadtbibliothek verantwortlich für die digitale Kommunikation (und damit auch für dieses Blog hier). Mein großes literarisches Interesse gilt (zumindest aktuell) der postkolonialen Literatur, vor allem vom afrikanischen Kontinent.

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