Und so einfach!

Jean-François Mallet: Simplissime – Das einfachste Kochbuch der Welt

Ich würde nicht behaupten, dass ich überhaupt nicht kochen kann. Ich kann schließlich lesen, und wenn nicht alles daneben geht, gelingt mir so auch das eine oder andere Rezept. Öfters als wirklich zu kochen, bestaune ich aber die tollen Kochbücher in unserem Bestand. Aber wenn ich dann lese, dass ich für dieses Rezept Fischsauce selbst herstellen und die Gewürze für jenes Curry am Vorabend um 20.30 Uhr auf halblinks schwingend anrösten soll oder dergleichen, dann vergeht mir die Lust am Kochen schnell. Im Juli kam nun ein Kochbuch heraus, das behauptet, das einfachste der Welt zu sein und aktuell die Bestsellerlisten stürmt. Aber behaupten kann man bekanntlich viel! Deshalb habe ich für meine Rezension etwas nachgekocht.

Am Vorabend musterte mein Freund, der mitkochen wollte, das zugegebenermaßen ziemlich wuchtige anmutende Kochbuch. „Simplissime – Das einfachste Kochbuch der Welt: Richtig gut kochen mit maximal 6 Zutaten“ bringt es immerhin auf stolze 380 Seiten. „Zählen die Pfeffer und Salz auch dazu?“ fragte er misstrauisch und sah sich schon vor dem zweifelhaften Genuss geschmacksarmer Pasta und Pizza. Da ich es nicht wusste, nahm ich mir den Wälzer – auch zu Zwecken der Menüplanung – vor. Die Anordnung der Rezepte folgt lose derjenigen, die man aus anderen KochbücheSimplissime_20x25_hard_backlistrn kennt: am Anfang Snacks, Suppen, dann Hauptspeisen und Süßes zum Schluss. (Pfeffer und Salz wird übrigens extra bei Mengen- und Zeitangaben geführt). Viele Hauptspeisen beinhalten Fleisch oder Fisch. Da die andere Hälfte des Kochteams und ich kein Fleisch essen, schmälert das die Auswahl schon deutlich. Der Freund bemerkt bei der Durchsicht des Kochbuchs außerdem, dass sehr oft Sahne verwendet wird.

Gut gefällt mir das Layout – die sechs Zutaten (oder weniger) sind jeweils mit Bild auf der linken Seite aufgelistet, rechts sieht man das Gericht, wie es mal aussehen soll (beziehungsweise kann). Die Arbeitsschritte sind wirklich einfach, die Anordnungen sind kurz und knackig. Die Zutaten für die einzelnen Rezepte müssten, so unsere Meinung, einfach zu bekommen sein, abgesehen von ein paar Ausreißern, wie Maroni im Glas, rotem Lachskaviar oder Tintenfischtine. Wer aber in Tinte geschmorten Tintenfisch kochen möchte, der findet bestimmt auch diese Zutaten.

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Pizza mit Pilzen, Babyspinat und Zitrone. Ungewöhnlich (lecker).

Für den Versuch haben wir ausgewählt: Weißer Bohnensalat mit Zwiebeln, Basilikum und grünem Pesto (S. 56), Pizza mit Champignons, Babyspinat und Zitrone (S. 112) sowie Schokosahne mit Heidelbeeren (S. 372). „Simplissime – Das einfachste Kochbuch der Welt“ ist für Amateurköche genauso geeignet wie für leidenschaftliche Hobbyköche, wer den Schwierigkeitsgrad anheben will, der kann! Gerade die Rezepte mit Fleisch und Fisch sind ein wenig anspruchsvoller: Neben Boeuf Bourguignon, Rinderfiletsteaks mit Roquefort und karamellisiertem Schweinenacken kann man sich auch an Rezepten wie Jakosbmuscheln in Kräuter-Gazpacho, geschmortem Oktopus oder Lachstartar mit Spargel versuchen. Aber alles immer unter dem Siegel der Einfachheit.

Die einzelnen Gänge unseres Menüs sind dann wirklich schnell und einfach gemacht. Der Bohnensalat ist sehr lecker, das Pesto lässt ihn ein wenig mediterran schmecken, die Zwiebeln brechen den milden Geschmack fein auf. Die ungewöhnliche Pizza ist sehr „gschmackig“, trotz des völligen Fehlens von Käse und Tomatensoße, die feine Zitronennote sehr angenehm – ob das jetzt an der frischen Zitrone lag, die wir improvisatorisch verwendet haben (weiterer Ausreißer im Supermarkt: eingelegte Zitronen), vermag ich nicht zu sagen. Das Dessert haben wir noch schneller hinbekommen, als im Kochbuch dafür veranschlagt wurde. Alles in allem: Was wir gekocht haben, war einfach zuzubereiten und hat sehr lecker geschmeckt. Das muss nicht für alles gelten, aber stellvertretend für die anderen Rezepte traue ich mich zu sagen, dass das Simplissime-Prinzip gut funktioniert.
Und dann kamen wir zur Schokosahne. Mein Beikoch inhalierte den leckeren Nachtisch förmlich. „Dabei ist das so einfach zu machen“, sprach er ungläubig. „Auf einmal ist es doch nicht zu viel Sahne, oder?“ lachte ich. Er lachte nicht und schleckte sein Schüsselchen aus.

Jean-François Mallet: Simplissime – Das einfachste Kochbuch der Welt. EMF Verlag, 384 Seiten

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Eva

Wer meine Texte gelesen hat, weiß, dass ich nach München pendle, keine Horrorfilme und kein Fleisch mag und kurz vor dem Mauerfall geboren wurde. Etwas, dass ich folglich nicht gut kann: mich zurückhalten! 🙂 Wirklich gut hingegen kann ich organisieren und mit Leuten. Abseits von der Arbeit und meinem Lesesofa (egal welches Genre, immer her mit Comics und Graphic novels!), trifft man mich am ehesten noch beim Skaten, auf Konzerten oder im Kino: nach Lesen meine zweitgrößte Leidenschaft.

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2 Kommentare zu “Und so einfach!

  1. Ursula Berge on 10/11/2016 at 11:00 pm sagt:

    Great review! Aber da mir hier Dein Kochbuch nicht zugängig ist, kannst Du mir bitte, bitte das Schokokrem Rezept schicken?

  2. Redaktion on 11/11/2016 at 1:22 pm sagt:

    Liebe Ursula,
    wir dürfen das Buch verleihen, aber nicht dessen Inhalte vervielfältigen und weiterreichen, es tut mir leid. Irgendwo sollte sich dieses Buch doch auch in Deiner Gegend auftreiben lassen, oder?
    Herzliche Grüße
    Katrin

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